Tagebuch

Donnerstag 18.05.2017

Dieses Tagebuch wird nun geschlossen und abgelegt – Es ist Zeit an neuen Formen des Nachdenkens zu arbeiten. An seine Stelle wird ein sich verändernder Text zu diesem Thema entstehen…

Freitag 12.05.2017

„Minoritäten und Majoritäten unterscheiden sich nicht durch die Zahl. Eine Minorität kann größer sein als eine Majorität. Die Majorität definiert sich durch ein Modell, mit dem man konform gehen muß: zum Beispiel der durchschnittliche erwachsene männliche städtische Europäer… Während eine Minorität kein Modell hat, sie ist ein Werden, ein Prozeß.“ (Gilles Deleuze)

Mittwoch 26.04.2017

„Als rituelle und zugleich »wissenschaftliche« Fixierung der individuellen Unterschiede, als Festnagelung eines jeden auf seine eigene Einzelheit (im Gegensatz zur Zeremonie, in der Standeszugehörigkeit, Abstammung, Privilegien, Ämter zu unübersehbarem Ausdruck kamen), zeigt die Prüfung das Heraufkommen einer neuen Spielart der Macht an, in der jede seine eigene Individualität als Stand zugewiesen erhält, in der er auf die ihn charakterisierenden Eigenschaften, Maße, Abstände und »Noten« festgelegt wird, die aus ihm einen »Fall« machen.“ (Michel Foucault)

Samstag 22.04.2017

„Umgekehrt sind die Wissenschaften der Philosophie äußerlich – unter oder über ihr -, und ihre Entdedeckungsmethoden haben mit der strengen Logik nichts gemein. Der Gelehrte beweist die Denkbewegung, indem er in der Erkenntnis fortschreitet; aber der Philosoph rächt sich, indem er den Wert der Wissenschaft in Frage stellt. Der Konflikt zwischen der Strenge und der Fruchtbarkeit weitet sich aus; er läßt das Problem der Erkenntnis und des Wertes der Wissenschaft entstehen.“ (Henri Lefèbvre)

Freitag 21.04.2017

„Wir glauben nur an Randtotalitäten. Und sollten wir auf eine solche Totalität neben den Teilen stoßen, so wissen wir, dass es sich um ein Ganzes aus diesen Teilen handelt, das diese aber nicht totalisiert, eine Einheit aus diesen Teilen, die diese aber nicht vereinigt, vielmehr sich ihnen wie ein neues, gesondert zusammengefügtes Teil angliedert.“ (Félix Guattari + Gilles Deleuze)

Donnerstag 20.04.2017

„In den modernen Predigten ist ja von Ruhm wohl nur deshalb nicht die Rede, um so mehr aber vom Reichtum, weil sie nicht an das ruhmsüchtige Publikum der Antike, sondern an Erwerbsmenschen gerichtet sind.“ (Edgar Zilsel)

Dienstag 11.04.2017

„In einer winzigen aber entscheidenden Veränderung kündigt sich diese neue Struktur an — natürlich ohne sich darin zu erschöpfen: wurde im 18. Jahrhundert der Dialog zwischen dem Arzt und dem Patienten mit seiner spezifischen Grammatik und Stilistik durch die Frage »Was haben Sie?« eröffnet, so finden wir die Spielregeln der Klinik und das Prinzip ihres Diskurses in jener anderen Frage wieder: »Wo tut es Ihnen weh?«“ (Michel Foucault)

Sonntag 09.04.2017

„Der Bastler ist in der Lage, eine große Anzahl verschiedenartigster Arbeiten auszuführen; doch im Unterschied zum Ingenieur macht er seine Arbeiten nicht davon abhängig, ob ihm die Rohstoffe oder Werkzeuge erreichbar sind, die ja nach Projekt geplant und beschafft werden müßten: die Welt seiner Mittel ist begrenzt, und die Regel seines Spiels besteht immer darin, jederzeit mit dem, was ihm zur Hand ist, auszukommen (…)“ (Claude Levi-Strauss)

Dienstag 04.04.2017

„Als die Meere austrockneten, verließ der Urfisch sein assoziiertes Milieu, um das Land zu erforschen; dabei war er gezwungen, „auf eigenen Beinen“ zu stehen und Wasser nur noch in seinen amniotischen Membranen zu haben, um den Embryo zu schützen“ (Félix Guattari + Gilles Deleuze)

Montag 27.03.2017

„Die Zeit ist Auftauchen anderer Gestalten. Die Punkte einer Linie sind nicht anders, sondern nur voneinander verschieden; was sie unterscheidet, ist etwas, was sie nicht sind: ihre Stelle. Versteht man die Zeit als Linie, so verwechselt man (räumlichen) Unterschied und (zeitliche) Andersheit.“ (Cornelius Castoriadis)

Freitag 24.03.2017

Haltbares Wissen vermodert.

Montag 13.03.2017

„Kurz darauf heißt es, »dass das wahre Unrecht eigentlich immer genau an der Stelle sitzt, an der man sich selber blind ins Rechte und das andere ins Unrechte setzt.« Damit siedelt Adorno die Moral auf der Seite der Zurückhaltung an, beim Nicht-Mitmachen, und in expliziter Kritik der Heidegger’schen Entschlossenheit beim Verzicht auf Selbstbehauptung.“ (…)

„Ethisch zu handeln bedeutet für Adorno wie für Foucault einzugestehen, dass der Irrtum konstitutiv für die Frage ist, wer wir sind. (…) Es heißt aber, dass wir von eben dem, was unser Handeln bedingt, keine vollständige Rechenschaft geben, dass wir keine konstitutive Grenze dafür angeben können, und es heißt, dass dieser Zustand paradoxerweise die Grundlage unserer Zurechenbarkeit ist.“ (Judith Butler)

Freitag 10.03.2017

„Wenn das Sein ist, was es ist und niemals etwas anderes – wenn jeder Gedanke absolut richtig oder absolut falsch ist –, dann werden die wirklichen Widersprüche im Sein und im Denken aus dem Denken ausgeschlossen. (…) Die Vernunft siedelt sich außerhalb des Wirklichen an, im Ideal. Die Logik wird zur Sache eines fiktiven Seins, des reinen Denkens, dem das Wirkliche als unrein erscheinen soll. Umgekehrt sieht sich das Wirkliche ins Irrationale gestoßen, dem Irrationalen überantwortet.“ (Henri Lefèbvre)

Donnerstag 02.03.2017

„Die Einsicht, dass man nicht jederzeit ganz der ist, als der man sich im verfügbaren Diskurs gibt, könnte umgekehrt zu einer gewissen Geduld gegenüber anderen führen, so dass wir zunächst einmal von der Forderung ablassen, dass der Andere jederzeit mit sich selbst identisch zu sein hat.“ (Judith Butler)

Freitag 24.02.2017

„Alle Leute mit nur einem einzigen Schwur haben es eben schwerer. Mehrere Schwüre kann man sicher brechen, aber einen nicht.“ (Ingeborg Bachmann)

Montag 20.02.2017

„Ihr Rettendes hat die Kunst an dem Akt, mit dem der Geist in ihr sich wegwirft.“ (Theodor W. Adorno)

Donnerstag 16.02.2017

„Nie darf man kleinlich sein beim Streichen. Länge ist gleichgültig und die Furcht, es stehe nicht genug da, kindisch. Man soll nichts darum schon für daseinswert halten, weil es einmal da ist, niedergeschrieben ward.“ (Theodor W. Adorno)

Montag 13.02.2017

„„Wir bestehen aus Geschichten.“ Das ist ein Gedanke, der in seiner Einfachheit selbst einem Kind verständlich wäre. Wenn es sich denn dabei bewenden ließe. Denn wir sind Geschichten innerhalb anderer Geschichten. Geschichten in Geschichten in Geschichten. Endlos werden wir weiter in den Hintergrund gedrängt, immer wieder in neue Rahmen gesetzt, bis wir für uns selbst nicht mehr lesbar sind.“ (Ivan Vladislavic)

Freitag 10.02.2017

„Und mir ist keine andere Definition des philosophischen Denkens, oder des Denkens schlechthin, bekannt als: das unablässige Bemühen, die Geschlossenheit zu durchbrechen, in der man sich anfangs befindet – und die stets dazu tendiert, sich wiederherzustellen.“ (Cornelius Castoriadis)

Dienstag 07.02. 2017

“The world will tell us that the senses cannot be controlled. We should reply that they certainly can be. If people tell us that Truth does not avail in the world, we should reply that it does. (…) We are a mere drop while the world is the ocean; but we should have the faith that, if we succeed in crossing to the other shore, the world, too, will.” (Gandhi)

Donnerstag 01.02.2017

Worte zu finden ist schwierig geworden, selbst die Zitate versagen von Zeit zu Zeit.

Mittwoch 25.01.2017

„Der Akt der Metamorphose par excellence besteht darin, ständig aus sich herauszutreten, sich selbst vorauszueilen, den anderen vorauszueilen, in einer beängstigenden, zentripetalen Bewegung, die umso furchterregender wirkt, als die Möglichkeit, zu sich zurückzukehren, niemals garantiert ist.“ (Achille Mbembe)

Dienstag 24.01.2017

„Anders ausgedrückt sind die Dispositionen, die den kompletten Boxer ausmachen, wie jede andere »Technik des Körpers« nach Mauss, »das Werk der individuellen und kollektiven praktischen Vernunft«.“ (Loic Wacquant)

Dienstag 17.01.2017

„Ich liebe es, im Dunkeln zu leben, und dies sowohl im materiellen als auch im moralischen Sinne – der Mensch, der im Blickfeld steht, hat keine Freiheit.“ (Michel Serres)

Donnerstag 12.01.2017

„Denken ist nicht dem Bau von Kathedralen oder dem Komponieren von Symphonien vergleichbar. Wenn im Denken von Symphonie die Rede sein kann, so hat sie der Leser in seinen eigenen Ohren zu erschaffen.“ (Cornelius Castoriadis)

Mittwoch 11.01.2017

2017 – Forschungsdesign

„Die Mitte ist eben kein Mittelwert, sondern im Gegenteil der Ort, an dem die Dinge beschleunigt werden.“ (Félix Guattari + Gilles Deleuze)


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