Es sei hier ein Versuch gemacht Vorträge, die ich mir angehört, per clubman bereist habe und nicht vergessen möchte, mit euch zu teilen. Teil 1.

Idee … auf der ziemlich mühevollen Radroute zum Kreisky Form, Armbrustergasse 15, Döbling.

Nach Döbling mit dem Rad fahren ist zweierlei Dinge, anstrengend – bergauf – und gefährlich, da die Kultur des Autofahrens an diesem Ort noch von Bedeutung ist. Sobald man den Gürtelradweg verlässt und in die Wildnis abzweigt, sollte man gute Gründe haben, um nicht wieder umzukehren. So wie ich.

Ich bin am Dienstag dem 15.02 ins Kreisky Forum gefahren, um ein Gespräch zwischen Isolde Charim und Didier Erbin, dem Verfasser des nun viel besprochenen Buches „Rückkehr nach Reims„, anzuhören. Das Thema war „Die Linke heute“.

Es wurde ein gut verwirrender Abend, nicht (oder nicht nur) wegen dem Gesprochenen, sondern weil erstaunlicherweise zu funktionieren schien, was dem politischen Denken zumeist fremd scheint, und dennoch ein ernst gemeinter Vorschlag von Didier ist: Das Neutralisieren der negativen Gefühle.

Didier nennt dies als eine Aufgabe der Linken, die es für ihn nur als pluralistische Bewegung geben kann, da links sein, Kritik üben bedeutet, ein nicht Hinnehmen. Gemeint ist damit das Neutralisieren des Rassismus einer vermeintlich in einem Land einheimischen Arbeiterklasse, die vor einiger Zeit noch kommunistisch wählte, deren Rassismus dann zumindest nicht das Wahlverhalten und Selbstverständnis bestimmte.

Warum wurde am Dienstag neutralisiert? Es sei mir erlaubt an dieser Stelle mit Frantz Fanon zu argumentieren und zu behaupten, dass eine Gesellschaft rassistisch ist oder nicht, womit angenommen sei, dass ebenso das bürgerliche Milieu seinen Rassismus lebt, der sich in einer gewissen Form von Pragmatik auszudrücken vermag.

Was ist passiert, mir bot sich ein interessanter und fast freundschaftlicher Abend, in einem überfüllten Raum. Merkwürdige Anfragen vermochte Didier mit besonderer Strenge zur Offenheit im Denken, im Raum stehen zu lassen, Versuche ihn auf fixierte Begrifflichkeit festzulegen, musste er nicht annehmen – warum? Es ging ihm nicht darum den Abend, das Gespräch, diese Debatte zu gewinnen. Didier vermochte es zumindest an diesem Abend völlig ohne akademischen Habitus zu sprechen und es wurde offensichtlich, seine Themen sind ihm dafür zu wichtig.

Didier spricht mit Derrida und fordert die Arbeit am «Notwendigen» ein, auch wenn es Unmöglich erscheint. Für ihn kann es gegenwärtig nur die Öffnung des Denkens in jeder Richtung geben, sowie ein Finden von Gruppen, wider die Vereinzelung. Gruppen können sich dann wiederum finden, nicht um zu verschmelzen, allerdings aber, um zusammen freier zu sein.

Didier beschwört die Monate Mai und Juni 1968 in Paris als Bild, genau, das ist richtig. Ich frage mich nämlich: Wo sollen wir hinkommen, wenn schon beim Vortrag, bei der wissenschaftlichen, intellektuellen oder ……… Diskussion einfache und schnelle Lösungen gefragt sind. Didier schafft es auf Offenheit zu bestehen und ich danke für diesen Mut.

Die Heimfahrt ließ kurz den Abend bereuen, jedoch nicht lange.


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