Tagebucheintrag – urbanize …

Fleisch bewegt sich, wie, wozu … mit welcher „Kultur“?

06.10.2015

Auf die Suche nach zehn Thesen zu einer „Kultur“ ohne Anführungszeichen wollte ich mich machen.

Zehn Thesen, jeder Tag könnte eine solche hervorbringen. Wie immer, arbeiten funktioniert nicht nach Plan…

Nichts desto weniger gibt es nun die ersten drei Thesen, die erlauben sich auf den Weg zu machen. Ich möchte sie als Sätze sehen, die vorbereiten für Einsichten, am Weg zu einer neuen Kultur, die nicht ausschließt sondern Verbindungen knüpft:

  1. Es ist Zeit für den kollektiven Identitätsverlust.
  2. Der Identitätsverlust führt zur Nichtvermarktbarkeit.
  3. Die Identitätslosen müssen in jedem Moment neu verhandeln, wie Kultur ist.

Wie nehmen unseren Weg auf der Kreuzung und werden konfrontiert mit nicht benannten Dingen, Menschen, Situationen.

Was kann passieren, welchen Einsatz braucht es. Das Risiko kann nicht berechnet werden. Auf Gewaltlosigkeit kann gehofft werden, da jeder die anderen als Mitspieler anerkennen muss, um zu sein, sich selbst in einer Kombination wahrzunehmen. Es würde sich um Mitspieler handeln, deren Reaktionen es immer wieder neu auszutesten gilt, das fixe Gesetz darf nicht Ziel dieses Forschungsprozesses sein.

Schwierig scheint die Zeit eines möglichen Übergangs… manche glauben noch zu wissen, wer sie sind, was ihnen zusteht, was getan werden sollte.

Interessant wird die Frage, ob dieser Identitäts- und von mir aus Realitätsverlust, die Wahrnehmung jeder/s Einzelnen als Individuum bestehen lässt.

Wichtig ist, dass diese offene Form danach nicht umschlägt in völlige Verschlossenheit, den Totalitarismus.

Es braucht damit etwas, das die Situation trägt. Einen Fixpunkt, den man als Kultur bezeichnen könnte, wenn man bereit ist begriffliche Vorstellungen zu diesem Wort hinter sich zu lassen.

Kulturen des Miteinanders, Kulturen des Passierens, Kulturen…

Wieder muss ich vermuten, dass ökonomische Absicherung aller Anwesenden und Weltbürgerschaft dieser neuen Form von Kultur voraus gehen müssten…

Noch sind wir allerdings nicht dort, wie also anfangen, wie kann im Moment, in schlechter Verfassung vor dem Hintergrund einer nochmerkwürdigeren Politik, im kapitalistischen System, diese Form des Identitätsverlusts stattfinden.

Wir können aufhören wie der „Mainstream“ zu konsumieren, können Gartenprojekte starten und uns anarchistischer Weise zusammenfinden. … das ist ein Weg.

Wie kann die Philosophie mit dieser Situation umgehen, sie ist denkbar unpraktisch, sie versucht Allgemeines zu formulieren. Kurz: Wie können die allgemeinen Thesen zum Graswurzelurbanismus lauten?

Was erlaubt AktivistInnen, nicht vereinnahmt zu werden?

Ich denke, die Frage der Anerkennung ist hier nicht zu verachten…

Die Schwierigkeit der Selbstreflektion, die uns auferlegt, immer wieder zu überdenken wovon ausgegangen wird.

… eine Philosophie, die sich selbst immer wieder auf Grundfesten und Fundamente zurück wirft…

die ewige Nichtthese?

Dies ist vermutlich verkopfte Überlegungen, jedoch nicht nur unberechtigt.

Frage ist:

Wie können die zeitgenössischen anarchistischen Strömungen – wie ich es gerne nennen möchte – verallgemeinert gedacht werden.

Vermutlich wäre es eine Möglichkeit die Klassiker des Anarchismus neu zu lesen?

Persönlich fällt mir auf wie schwierig es ist sich im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis zu bewegen. Eigentlich „nichts“ zu tun, allerdings viel über dieses Tun nachzudenken.

Diese Form des Nachdenkens, hat sie einen Sinn, kann sie gerechtfertigt werden?

Ich hoffe es.


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

code